Festplatte im Öl versenken

03. März 2006 von Götz Dähne
Kategorie: Modding

Heutzutage gibt es alles in Öl. Sogar ganze Rechner. Schwachpunkt war jedoch immer die Festplatte. Deshalb haben wir einige Versuche gemacht, auch die Festplatte in Öl zu lagern und es ist uns nach einigen kaputten Festplatten dann auch gelungen. Bitte baut dieses Tutorial nur nach, wenn ihr so viele Festplatten habt, dass ihr auf welche verzichten könnt. Die meisten Festplatten werden mit Öl vollaufen und nicht mehr zu gebrauchen sein.

Werkzeuge und Materialien:
• viele Schrauben (M3x20
• 4 x Schraubösen (M4x25)
• zurechtgeschnittenes Plexiglas (8mm)
• 2-3 Liter Öl
• IDE-Kabel und Stromkabel (Y-Adapter)
• Silikon
• Loctite (Blacktite – Kleb und Dichtstoff)
• einige Festplatten, am besten erst mal ältere Modelle
• Gummiringe (O-Ringe – ölbeständig)

Fertigstellung des Gehäuses:
Wir haben erst einmal die Maße einer Festplatte genommen.

Das kann zwischen Festplatte zu Festplatte etwas variieren. Nachdem ich die Maße kannte, hab ich mir noch ein bisschen raufgerechnet, damit ich genügend Platz hab, um das ganze sicher zu bauen. Danach hab ich das Ganze Gehäuse einmal im Computer aufgebaut. Auf dem Foto seht ihr die Unter und Oberseite. Die großen Bohrungen wurden weggelassen. Für eine größere Ansicht geht bitte ins Forum unter projekte logs findet ihr noch einen Beitrag über dieses Tutorial.

Hier das Seitenteil, wie ihr seht, sind verdammt viele Bohrungen in den Teilen. Ich denke, es können gar nicht genug bohrungen sein, damit das Gehäuse dicht ist. Dieses Teil ist das andere Seitenteil. Nach unsere Tutorial sind wir der Meinung die Bohrungen hätten weiter außen sein sollen.

So nun schon mal die ganze Box zusammengesetzt, damit man keine Fehler gemacht hat, denn diese sieht man in dieser Ansicht sofort. Nun haben wir die Platten zurechtgeschnitten bestellt und auf dem Foto sind sie schon gebohrt. Dies mussten wir natürlich erstmal erledigen.

Wichtig für die Bohrungen ist ein Standbohrmaschine. Ohne könnt ihr das Ganze gleich vergessen. Beim Bohren darauf achten, dass der Span gut abgeführt wird, sonst kann das Plexi schnell mal zerplatzen. Nehmt niht zu viele Umdrehungen, sonst schmilzt eure Bohrung. Mir ist es dann passiert. Eine Ecke ist abgesprungen.

Ein Kumpel hat Beziehungen zu Loctite und hat mit diesen Sofortklebstoff gegeben. Echt spitze! Damit hab ich dann die Ecke wieder ran bekommen. Danach noch mal nachgebohrt und es hielt prima.

Nun die Gewinde schneiden. Bei so vielen Bohrungen ist das die schlimmste und anstrengende Arbeit überhaupt. So nun endlich zusammengebaut. Wer nicht sauber arbeitet, bekommt hier Schwierigkeiten, die Schrauben alle einzuschrauben.

Nun haben wir die Ösen in die Seiten eingeschraubt mit einem M4-Gewinde.
An diese wurden dann solche Gummis angebracht. An jeden Gummi kam noch ein Schlüsselring. Vorerst füllt ihr etwas Silikon (klar) in eine Spritze, damit das Austrittsloch etwas kleiner ist. Nun drückt ihr eine dünne Wurst Silikon immer auf die Seitenflächen, die abgedichtet werden müssen. Danach zieht ihr das Ganze mit einer Rasierklinge breit, sodass am Ende nur noch ein Hauchdünner Film Silikon das Plexi bedeckt. Nun schraubt ihr diese Seite richtig fest. Dabei presst sich die restliche Luft aus dem Silikon. Die macht ihr an allen Seiten des Gehäuses. Danach nehmt ihr noch etwas Silikon und verstärkt die Ecken im Gehäuse. Das macht ihr am Besten von Innen. Da an den Ecken die Schraubwirkung am geringsten ist, muss hier mehr Silikon hin. Nun müsste das Ganze dicht sein. Um euch sicher zu gehen, testet das Gehäuse mit Wasser. Denn wenn erstmal Öl drin ist, wird das Ganze eine riesen Sauerei.

Der Bau der Box war zwar anspruchsvoll aber nicht sehr riskant. Der Einbau der Festplatte ist eine langwierige und schmierige Arbeit. Auf dem Foto haben wir eine Festplatte (8GB) an den Schlüsselringen aufgehängt. Die Kabel haben wir durch kleine Löcher durch die Abdeckplatte gelegt. Dazu muss vom IDE-Kabel der eine Stecker gelöst werden und wie beim Kabelrunden müssen die einzelnen Stränge des Kabel gelöst werden. Vergesst nicht die Stränge zu nummerieren, damit ihr danach die richtigen Kabel an die richtige Stelle bekommt. Ich habe als Markierungen eine Art Strichcode genommen. Also Kabel 1 = 1 Strich, Kabel 2 = 2 Striche usw.

Damit das Öl in Rotation bleibt, haben wir diesen Lüfter mit in das Gehäuse geklebt. Testet vorher in einem Glas, ob der Lüfter genügend Leistung hat, sich auch im Öl zu drehen. Danach wascht ihn gründlich in Fit-Wasser und lasst ihn gut trocknen, damit er danach verklebt werden kann.

Nun haben wir das Ganze mit Öl befüllt. Die Spannung war zu diesem Zeitpunkt sehr hoch. Hier ist die ganze Box voll mit Öl. Zu diesem Zeitpunkt war das Gehäuse allerdings noch nicht ganz dicht, das wurde nochmal ausgebessert.

Danach haben wir die Box mit Schrauben verschlossen und die Platte eine Weile laufen lassen. Ihr fragt euch sicherlich, warum wir bisher die HDD nicht abgedichtet haben. Dies hier ist unsere erste Festplatte im Versuch. An der haben wir lediglich mit Silikon die Verschraubungen und ein paar Löcher in der Festplatte abgedichtet.

Natürlich war das Ganze vorne und hinten nicht dicht. Also, 1. HDD kaputt und 8GB im Eimer. Natürlich haben wir geschaut wo das Öl eingetreten war. Es folgten nun weitere Spannende Tests…wir verglichen unterschiedlichste Bauformen von Festplatten und fanden dann eine 4GB Festplatte von Quantum, die schon von Hause aus sehr gut gearbeitet war.

Nun kommt auch unser spezial Blacktite Abdichtmittel zum Einsatz. Wir haben alle möglichen Schwachstellen (Aufkleber, Verschraubungen, Lagerhalterungen, Abdichtungen, Durchgänge) mit diesem Öldichtmittel abgeschmiert. Nachteil, das Zeug ist schwarz und die Festplatte sieht danach nicht mehr so schön aus. Das ist sie, die Quantum-Festplatte noch ganz ohne Öl. Hier mit Öl und im Betrieb. Die Geräuschreduzierung war enorm und das Aufheizen des Öls auf 30 Grad Celsius dauerte ca. 5 Stunden. Mit einem Kühlkörper würde man bestimmt eine konstante Temperatur von 25 Grad hinbekommen.

Und hier eine Woche später. Immer noch im Betrieb. Man kann deutlich das Blacktite an der Festplatte sehen. Wir werden die Festplatte auch weiterhin alle paar Wochen mal wieder hochfahren und schauen, ob sie weiterhin dicht hält.

Noch mal:
Bitte baut dieses Tutorial nicht nach. Ihr werdet 100% nicht nur eine Festplatte verlieren. Wir wollen mit diesem Tutorial nur zeigen, dass der Betrieb einer Festplatte in Öl möglich ist. Wer sich des Risikos bewusst ist und das Tutorial trotzdem nachbaut, baut dies auf seine eigene Verantwortung. Wir haften in keiner Weise.

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9 Kommentare: Festplatte im Öl versenken

  • NoFear13 | 03.02.2009 um 18:13 Uhr

    Coole Sache. Bin mal gespannt ob sich das ganze mal durch setzt, weil gibt ja mittlerweile sogar Ansätze den ganzen Computer im Öl zu versenken, lärme technisch wäre das ganze natürlich top, allerdings glaube ich nie das sich das ganze durchsetzen wird da das alles viel zu aufwendig ist wenn man mal ein Teil auswechseln möchte.

  • Gamesware | 03.04.2009 um 21:31 Uhr

    Festplatten haben i.d.R. eine „do not cover“ Zusatzbohrung mit Membranfunktion Oelbad aktueller FesPlat(Stand April 2009)werden ein hochviskoses =dünnflüssiges Bad nicht lange überstehen.

  • Götz Dähne | 04.04.2009 um 12:32 Uhr

    wir haben die Membran ebenfalls mit dem Spezialkleber abgedichtet, somit wurde zwar die Funktion der Membran verringert jedoch konnte kein Öl durch diese Schwachstelle eindringen.

  • Fried | 04.05.2009 um 18:11 Uhr

    Ich glaube die Sache ist die, dass das Loch nicht umsonst in der Festplatte ist. Dieses dient zum Druckausgleich. Mich interessiert ob die PLatte noch läuft.

    Bitte um Rückmeldung

  • Fried | 04.05.2009 um 20:17 Uhr

    Ich bin der Meinung die Löcher sind zu etwas gut.. deshalb sollte man sie nicht verkleben.. damit ein druckauslgleich mit der luft rundherum herrscht.. läuft die Platte noch?

  • Götz Dähne | 04.05.2009 um 21:59 Uhr

    ja die löcher sind zum ausgleich. Werden oft aber schon vom Werk aus zugeklebt, da nicht unbedingt so viel luft in einer Festplatte vorhanden ist, die sich so stark ausdehnen würde bei ca. 45°C. Die Festplatte funktionierte mindestens noch 6 Monate. Da wir eine sehr geringe Kapazität verbaut hatten haben wir die Festplatte aus Platzgründen entsorgt. Vielleicht würde sie sogar heute noch funktionieren. Außerdem wollten wir eigentlich mit dem Beitrag nur beweisen dass es möglich sei die Festplatte im Öl zu versenken. Allerdings würde ich nicht unbedingt zum Nachahmen auffordern… :)

  • Fried | 05.05.2009 um 01:47 Uhr

    Ja genau das hatte ich vor.. aber ich hab mich dann dafür entschieden einfach ein Alugehäuse von einer externne Platte abzudichten.. und eventuell ein kleines röhrchen and die oberfläche zu legen damit ein druckausgleich stattfinden kann.. aber die idee grundsätzlich finde ich ziemlich nice… good work

  • Götz Dähne | 05.05.2009 um 04:55 Uhr

    mit solch einem gehäuse bist du erstmal in sachen druckausgleich auf der sicheren Seite, allerdings gehts dann nicht mehr so gut mit der Wärmeübertragung. Vielleicht findest du ja auch eine Lösung einen Schlauch oder ein Röhrchen direkt an der Festplatte anzubringen?
    PS: kannst ja deine Erfahrungen mal posten, obs geklappt hat…

  • exclusiv-home | 27.07.2009 um 10:01 Uhr

    hmm….ich weiß nicht wirklich was ich dazu sagen soll auser die arme festplatte :( naja aber mal sehn ob es sich durchsetzen wird!

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